Aktuelles

News und Stories aus dem Projektverbund.

Coronavirus: ARRIVO BERLIN Servicebüro veröffentlicht praktische Informationen

von Johnny Van Hove

Das Coronavirus führt immer noch zu Einschränkungen im öffentlichen Leben und in der Arbeitswelt. Für Betriebe und Ihre Auszubildende sowie Beschäftigte mit Fluchthintergrund hat das ARRIVO BERLIN Servicebüro für Unternehmen relevante Informationen, Links und Hinweise zusammengetragen.

 

Anhand von drei Rubriken bietet das Servicebüro zahlreiche Verlinkungen an.  In der ersten Rubrik werden allgemeine Informationen für Berliner Betriebe angeboten, u.a. zu Finanzhilfen, Kurzarbeit und Hygienevorschriften. Für Auszubildende und Beschäftigte sammelte das Servicebüro in der zweiten Rubrik allgemeine mehrsprachige Informationen zu Aufenthalt, Arbeit und weitere Lebensbereiche. Die dritte Rubrik fokussiert Online-Sprachangebote.

Hier geht es zur Linksammlung. 

ARRIVO BERLIN: ein Rückblick – Highlights der Vergangenheit

Stark vertreten: ARRIVO BERLIN auf der jobbörse estrel

von Johnny Van Hove

Am 9. März 2020 fand zum fünften Mal die „Jobbörse für Geflüchtete und ausländische Arbeitssuchende” im Estrel Berlin statt. Die insgesamt mehr als hundert angemeldeten Unternehmen, Initiativen und Verbände boten den vielen jungen Besucher_innen mit Fluchthintergrund zahlreiche Karrierechancen. Auch ARRIVO BERLIN war mit sechs Teilprojekten vor Ort vertreten.

 

Die “Jobbörse für Geflüchtete und ausländische Arbeitssuchende” ist eine der größten Berufs- und Ausbildungsmesse in ganz Europa für diese Zielgruppe. Alle angemeldeten Aussteller und Besucher bekommen hier eine Plattform für Kontakte zu qualifizierten Köpfen – ohne aufwändiges Bewerbungsverfahren direkt am Messestand. Von Handwerk und Gastgewerbe bis hin zu Handel, Gesundheit und IT sind die verschiedensten Wirtschaftszweige vertreten.

 

ARRIVO BERLIN war auf der Messe an zentraler Stelle mit gleich sechs Teilprojekten vertreten. Zahlreiche Geflüchtete und Betriebe wurden von den Vertreter_innen der Teilprojekte ARRIVO BERLIN Gesundheit, ARRIVO BERLIN Hospitality und ARRIVO BERLIN Soziales kompetent informiert und beraten. Auch die Teilprojekte ARRIVO BERLIN RingPraktikum, ARRIVO BERLIN Übungswerkstätten und ARRIVO BERLIN Wege zum Berufsabschluss waren kontinuierlich im Informationsaustausch mit den Besucher_innen.

Der gemeinsame Auftritt wurde federführend von der Technischen Koordinierung ARRIVO BERLIN (TK) konzipiert und organisiert. Andrea Lindowsky, Verantwortliche für die Öffentlichkeitsarbeit und stellvertretende Leiterin bei der TK, zog ein positives Fazit: „Auch wenn in diesem Jahr die Jobbörse in schwierigen Umständen stattfand, führte der Tag zu guten und konkreten Ergebnissen. Kontakte zu zahlreichen potentiellen Auszubildenden, Pressevertretern und Multipikatoren konnten hergestellt werden. Wir können sehr zufrieden sein.“

 

Ortsbesuch: transnationaler Austausch mit dem Marshall Fund

von Johnny Van Hove

Der Besuch einer hochkarätigen Delegation der unabhängigen, amerikanischen Stiftung „German Marshall Fund of the United States“ (GMF) am 11.11.2019 zeigt: die gute Arbeit von ARRIVO BERLIN weckt zunehmend internationales Interesse.

Auf ihrer Informationsreise durch Europa, machte die 20-köpfige Delegation des GMF auch im Kompetenzzentrum des Trägers des Teilprojekts ARRIVO BERLIN SHK (Sanitär, Heizung, Klempner, Klima) halt. Die Delegation mit Entscheidungsträger/innen aus Verwaltung und Zivilgesellschaft nahm in den Räumen der Innung Berlin SHK sowohl an einem Rundgang, als auch einer Fachdiskussion teil. Für die Organisation zeichnete die Technische Koordinierung des Projektverbundes (TK) federführend verantwortlich, in Zusammenarbeit mit den Projektverantwortlichen der ARRIVO BERLIN SHK.

 

Fachkräftesicherung

Der Geschäftsführer des Projektträgers, Andreas Koch-Martin, führte die Delegation zunächst persönlich durch das Kompetenzzentrum, das mit 12 Werkstatträumen als eine der modernsten Ausbildungsstätten Europas für das SHK-Handwerk gilt. Dabei betonte der Geschäftsführer die „wichtige Rolle“, die die gesamte SHK-Branche bei der „Bewältigung des demografischen Wandels“ hierzulande spiele und unterstrich dabei das eigene ARRIVO BERLIN Projekt als bedeutsames Puzzlestück für die SHK-Fachkräftesicherung in der Hauptstadt.

Erwartungsmanagement

Im Anschluss an den Rundgang, eröffnete Johnny Van Hove als Mitglied der TK zusammen mit Laura Esnaola von Care.com die Podiumsdiskussion anhand einer kompakten Darstellung des Fachkräftemangels in u.a. den Pflegeberufen in Deutschland und Berlin. Dabei schlug Van Hove schnell den Bogen zu ARRIVO BERLIN als Gesamtverbund. „Die 10 Teilprojekte – von ARRIVO BERLIN Gesundheit bis ARRIVO BERLIN Hospitality – umreißen ziemlich genau die Berufsfelder, wo aktuell und auch künftig Engpässe zu erwarten sind“, so Van Hove.

In der Darstellung des Projektverbundes erörterte Van Hove außerdem die quantitativen und qualitativen Erfolge und Herausforderungen des Verbundes. Auch wenn ARRIVO BERLIN als „One-Stop-Shop“ für die Ausbildung von geflüchteten Menschen erfolgreich für das Matching mit interessierten Betrieben aufgestellt sei, darf die Bedeutung von einem realistischen „Erwartungsmanagement“ in Bezug auf die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten nicht ignoriert werden. „Aus der Praxis und aus Fachberichten lernen wir, dass es für geflüchtete Menschen mehrere Jahren dauern kann, bis sie sich schrittweise und dauerhaft auf dem Arbeitsmarkt etablieren“, so Van Hove.

Die Projekte der Dachmarke ARRIVO BERLIN werden gefördert aus Mitteln der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales.

Die Bildung Umschulung Soziales (BUS) gGmbH ist Träger der Technischen Koordinierung ARRIVO BERLIN.

ARRIVO BERLIN: ein Rückblick – Highlights der Vergangenheit

von Felicitas Morgaine Keller

Nun ist ein Jahr vergangen, dass im Mai 2019 die BUS gGmbH die Technische Koordinierung ARRIVO BERLIN übernahm. Vom anfänglichen Kennenlernen, über das Ausloten der Kommunikationswege, hin zu einer gelungenen Kooperation unter/mit allen Beteiligten, einer konstruktiven Arbeitsatmosphäre, Kollegialität und Vertrauen, hat sich die Zusammenarbeit im Verbund stets weiterentwickelt. An dieser Stelle soll ein kurzer Rückblick aus Sicht einiger Teilprojekte skizziert werden – ein Rückblick wie er keineswegs in den regelmäßigen Fachcontrolling-Berichten zu finden ist, sondern einer, der sich mit den individuellen Highlights anhand von Einzelfallbeispielen beschäftigt. 

Im Rahmen unseres monatlich stattfinden Jour Fixes, der am 4. März unter dem Thema „Ein Blick zurück – ein Blick nach vorn: Highlights der Vergangenheit, Bedarfe der Zukunft“ standfand, wurde den Teilprojekten die Möglichkeit geboten, ihre persönlichen Highlights der vergangenen Förderperiode (05/2019-03/2020) zu präsentieren. So stellte ARRIVO Gesundheit eine Kompetenzfigur vor, welche die Mitarbeitenden des Projekts mit den Teilnehmenden während des Kursverlaufs stetig vervollständigen. Die zentrale Frage dabei lautet: „Was habe ich im Jahr 2019 geschafft?“ Dabei ist nicht nur von Bedeutung, was die teilnehmende Person erfolgreich beendet hat, auch Mehrfachversuche werden mehrfach genannt, so bei wiederholtem Besuch des B2 Deutschkurses oder dem Schreiben vieler Bewerbungen. So sollen die Bemühungen sowie der Zeitaufwand ebenso honoriert werden, wie das Bestehen einer Prüfung. Auch vermeintlich private Erfolge, wie das Finden einer Wohnung oder die Impfung gegen eine Krankheit finden Platz. Auf diese Weise wird die Verflechtung von Privatem und Beruflichem verdeutlicht und die Überschneidung verschiedener Lebensrealitäten von (geflüchteten) Menschen veranschaulicht. Im Inneren der Figur befinden sich Fachbegriffe, die im Laufe der Projektlaufzeit erlernt wurden. Am Ende hat jede_r teilnehmende Person ihre_seine ganz persönlichen Kompetenzschatzkiste. Darüber hinaus stellt es eine Motivation für neue Teilnehmende dar.

Von einer weiteren Erfolgsgeschichte kann das Projekt ARRIVO Soziales berichten, welche die Geschichte eines geflüchteten jungen Afghanen erzählt, der auf dem Weg nach Schweden in Berlin strandete, wo ihn seine finanziellen Mittel an der Weiterreise hinderten. In Afghanistan niemals die Schule besucht, des Lesens und Schreibens nicht mächtig, entschloss er sich, eine Willkommensklasse des Oberstufenzentrums zu besuchen. Dort erlernte er neben der deutschen Sprache alle notwendigen Kompetenzen, um erfolgreich einen Abschluss zu absolvieren. Im Anschluss durchlief er die Ausbildung zum Sozialassistenten, bei welcher er von ARRIVO Soziales tatkräftig unterstützt wurde. Sein beruflicher Wunsch ist nun, eine Ausbildung zum Erzieher zu machen. Sein privater, seinen Bruder aus der Türkei nach Deutschland zu holen. 

Vom längsten Stuckzug der Welt kann der Lehrbauhof | Berlin berichten. Diesen haben sich das deutsche Nationalteam der Stuckateure und Auszubildende Berliner Unternehmen auf dem Lehrbauhof der Fachgemeinschaft Bau in Berlin gesichert und konnten sich am 13. September 2019 mit 104,3 m über den offiziellen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde freuen.

Beteiligt an intensiver Vorbereitung und dann schlussendlich auch Durchführung war auch ein ehemaliger Teilnehmer des Projektes ARRIVO Bauwirtschaft.

Geflüchtet aus Syrien begann er nach der Teilnahme am ARRIVO-Projekt 2017 zuerst eine Ausbildung als Trockenbaumonteur, wechselte aber nach einem Jahr die Ausbildung, um sich zum Stuckateur ausbilden zu lassen. Die Vorbereitung auf den Weltrekordversuch mit passgenauer Abstimmung der Teilnehmenden aus dem Nationalteam der Stuckateure, Auszubildenden aus Berliner Unternehmen, das Streben nach Perfektion und dem Erreichen der „Zielmarke WELTREKORD“ waren für Herrn B eine hohe Motivation. Im Sommer 2020 wird er hoffentlich erfolgreich seine Ausbildung beenden und den Gesellenbrief zum Stuckateur in der Tasche haben.

Ebenso ARRIVO Wege zum Berufsabschluss berichtete von einer Einzelfallgeschichte, die den Erfolg des gesamten ARRIVO Verbunds verdeutlicht: als exemplarisches Beispiel steht Herr HS aus Syrien, der stellvertretend zahlreiche weitere ARRIVO Teilnehmende repräsentiert. Der Begleitungsprozess für Herrn HS, aus Syrien, startete im Mai 2018. Herr HS sprach Deutsch damals auf dem Niveau A2. Der Begleitungsprozess bestand aus  drei Phasen: die Potenzialanalyse, bei der seine Kompetenzen und Qualifikationen erfasst wurden; die Arbeitsmarktanalyse, bei der seine Kompetenzen und Qualifikationen mit dem deutschen Arbeitsmarkt verglichen wurden; und die Entwicklung einer Strategie, um sein Ziel zu erreichen. Die letzte Station des Projektes ARRIVO Wege zum Berufsabschluss von Herrn HS war die abschlussbezogene zertifizierte Maßnahme  Ausbildungszentrum von SHK Innung, wo er im März 2020 eine Nachqualifizierung als Anlagemechaniker (SHK) anfing, die er mit seinem Engagement mit Sicherheit erfolgreich mit einer Externen Prüfung abschließen wird und als Fachkraft eine Tätigkeit antreten kann. 

Diese vier Highlights stellen lediglich einen kleinen Ausschnitt von insgesamt unzähligen erzählenswerten Ereignissen der vergangenen Förderperiode dar. Die motivierenden Einzelfallbeispiele lassen aus Zahlen Individuen werden, die auf ihrem Weg in verschiedenster Form Unterstützung erfahren und denen so die Möglichkeit geboten wird, ihre Kompetenzen zu sehen und zu fördern. Es wird deutlich, dass die Bedarfe sich im Laufe der Zeit ändern – eine Verschiebung von allgemeinen hin zu spezifischen Herausforderungen, welche die ARRIVO BERLIN Teilprojekte mit großem Elan zu bestreiten wissen.

 

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