Erfolgsgeschichten

ARRIVO BERLIN konnte bereits viele Flüchtlinge auf ihrem beruflichen Weg begleiten und Berliner Betriebe beraten. Hier stellen wir einige Beispiele vor:

Einen Schritt nach dem anderen -
Adam aus Syrien plant seine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger und lässt sich von kleinen Misserfolgen nicht entmutigen

Mein Name ist Adam. 2015 bin ich vor dem Krieg in Syrien nach Berlin geflohen, da war ich 16 Jahre alt. Schon immer interessiere ich mich für Medizin, habe 2013- 2014 ein Praktikum in einem Krankenhaus in Quamishli gemacht und dort während des Krieges in der Notaufnahme geholfen. Als ich nach Deutschland kam, stand für mich fest, dass ich im Gesundheits- und Pflegeberreich arbeiten will. Dazu brauchte ich erst einmal einen ordentlichen Schulabschluss. Den sollte ich am Oberstufenzentrum machen. Als Minderjähriger bekam ich außerdem eine Patin, die mich 2017 in das ARRIVO-Projekt vermittelt hat. Ich wollte nun endlich mein Ziel, eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, in Angriff nehmen.

Das ARRIVO-Team war klasse. Es hat mir im Frühjahr 2017 ein vierwöchiges Praktikum im Vivantes Humboldt-Klinikum vermittelt. Endlich durfte ich wieder richtig arbeiten und mein Anleiter bescheinigte mir gute Chancen die Ausbildung zu schaffen. Trotzdem war da immer noch der MSA… Ehrenamtliche Nachhilfementoren haben mir geholfen, mich auf die Prüfung im Frühjahr 2018 vorzubereiten. Und ständig standen mir die Leute von ARRIVO zur Seite und haben mir geholfen, mich bei verschiedenen Unternehmen für eine Ausbildung zu bewerben. Die Wannseeschule war so begeistert von mir, dass ich vor der MSA- Prüfung bereits einen Ausbildungsvertrag über die dreijährige Ausbildung erhielt.

Und dann kam der MSA … Trotzt des vielen Lernens und der tollen Unterstützung habe ich es nicht geschafft. Da nützt auch ein hervorragender EBBR- Schulabschluss nichts. Ich wollte alles richtig machen, also habe ich mich noch einmal in Ruhe mit meiner Betreuerin von ARRIVO zusammengesetzt. Vielleicht wollte ich am Anfang zu viel. Jedenfalls mache ich jetzt die 1-jährige Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpflegehelfer, um dann später mit der 3-jährigen Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger weiter zu machen. Einen Schritt nach dem anderen. Ich habe viel Glück, denn die Wannseeschule hat für mich den Ausbildungsvertrag abgeändert. Das ist nicht üblich, aber sie wollen mich gern fördern und unterstützten.

Bei all der Bürokratie hier in Deutschland finde ich das schon ziemlich beeindruckend und es macht mich glücklich. Ich habe viele deutsche Freunde, will gern in Deutschland leben und arbeiten, hier eine Zukunft aufbauen und eine Familie gründen. Diese Ausbildung und die tolle Unterstützung um mich herum helfen mir dabei.

Motiviert und hartnäckig zum Ziel -
Rabia aus Syrien wird operationstechnische Assistentin

Eine Idee haben, einen Plan entwickeln, Informationen suchen, Unterlagen sammeln, nachfragen, rückfragen, bewerben, vorstellen, abgelehnt werden, wieder von vorn anfangen. Seine Zukunft zu planen, Ziele zu verfolgen, Träume zu verwirklichen ist immer anstrengend. Wie kompliziert und zäh es sein kann, muss auch Rabia erfahren.

Oft genügt es nicht einfach zielstrebig, selbstständig, hartnäckig und motiviert zu sein. Besonders für eine junge Geflüchtete aus Syrien. Mit dem Abitur in der Tasche kommt sie im Herbst 2015 nach Deutschland. Hier will sie eine Ausbildung zur operationstechnischen Assistentin machen. Sie macht ihr C1 Zertifikat, sucht selbstständig nach Praktikums- und Ausbildungsstellen, muss ihre Zeugnisse und syrischen Dokumente übersetzen und anerkennen lassen.

Im Februar 2017 steht sie das erste Mal im ARRIVO-Büro. Trotzt ihrer Eigeninitiative und Energie merkt Rabia, dass sie nicht recht weiter kommt. Das erste Praktikum im Helios Klinikum läuft gut, sie hat Vorstellungsgespräche für zwei Ausbildungsplätze, wird zu einem Gespräch eingeladen, obwohl die Bewerbungsfrist schon abgelaufen ist. Es folgen Absagen. Sie sucht weiter, geht zu Informationsveranstaltungen, macht Bewerbungstrainings mit den ARRIVO-Coaches und hadert mit ihrer Situation.

Immer wieder überlegt sie, ob sie etwas anderes suchen soll, ob es an ihrem Kopftuch und ihren religiösen Vorschriften liegt, dass sie trotz gutem Feedback nicht genommen wird. Noch einmal versucht sie es mit einem Praktikum. Einen Monat arbeitet sie im Evangelischen Elisabeth Krankenhaus. Die Arbeit macht ihr Spaß, sie darf schon viel mithelfen und bei großen OPs dabei sein.
Das ist der Beruf, den sie machen will. Das ARRIVO-Team unterstützt sie, wo es geht, hilft beim Lebenslauf, berät und ermutigt sie, wenn sie mal wieder Angst hat, nur Absagen zu bekommen oder frustriert ist, weil alles so unendlich lange dauert.

Im September 2017 startet sie einen neuen Versuch. Sie beginnt ein freiwilliges soziales Jahr in der Charité. Zwei Monate später bekommt sie von der Charité die Zusagen für einen Ausbildungsplatz für April 2018. Endlich! Geschafft? Bis Zuletzt ist sie nervös ob es wirklich klappt. Alles geht gut. Sie beginnt Ihre Ausbildung und kann sich nun ein Leben, eine Zukunft in Deutschland aufbauen, dank ihres Engagements und ihrer Zielstrebigkeit aber auch dank all der involvierten Akteure.

Neben ihrer Motivation und den Bildungsvoraussetzungen, die junge Menschen für das Berufsleben mitbringen müssen, haben die Einrichtungen im Gesundheitswesen die Notwendigkeit erkannt, geflüchteten Menschen eine Möglichkeit zu geben, sich auszuprobieren. Hier sammeln aber nicht nur die Fachkräfte von morgen Erfahrung, sondern auch die Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Fachkräfte und Ärzte haben längst begonnen Interkulturalität in Ihren Einrichtungen zu entwickeln, zu unterstützen und zukünftige Mitarbeiter zu fördern und zu binden.

Das Lachen nicht verlernen.
Kibrom aus Eritrea ist endlich angekommen

Lebensfreude, Mut, Zuversicht, Optimismus. Kibrom ist jemand, der immer lacht. Auf seinem Weg nach Berlin hat er eine Menge durchgemacht. Dennoch sitzt er hier mit einem Lächeln, bereit, zu berichten, was er erlebt hat und wie er bei ARRIVO BERLIN Gesundheit Unterstützung und Halt fand.

Kibrom war gerade fertig mit seinem Studium, als er Hals über Kopf entscheidet, zu fliehen, vor der Militärpolizei. Er läuft einfach weg. Sie schießen auf ihn. Er läuft einfach immer weiter.
Flucht – im Juli 2014 beginnt für ihn eine Odyssee von Eritrea nach Äthiopien, Sudan, Libyen – riesige Flüchtlingsunterkünfte, erbärmliche Zustände, kaum Nahrung. In einem Holzboot flieht er übers Mittelmeer. Nach nicht mal einem Tag werden sie gefunden. In Italien, muss er 12 Tage ins Krankenhaus. Ein Jahr auf der Flucht hat ihn gezeichnet und krank gemacht. Nach seiner Entlassung kommt er nach Deutschland.

In dem Moment, in dem seine Flucht begann, hatte er kein Ziel. Alles war ungeplant, unvorbereitet, spontan. Lächelnd sagt er, dass alles irgendwie einfach geschah als er einmal unterwegs war. Alles ging einfach immer weiter. Deutschland war zu Beginn seiner Reise nicht sein Ziel, aber irgendwann wurde ihm bewusst, dass es die beste Chance sein würde, sich eine Zukunft aufzubauen.

Im Sommer 2015 kommt er nach Berlin. Hier erwartet ihn erneut ein ewiges Hin und Her. Er wird von „Pontius zu Pilatus“, von Behörde zu Verantwortlichen und wieder zurück geschickt, wohnt in Turnhallen, Hotels, Wohnheimen und für ein paar Tage sogar auf der Straße. Und auch diese Geschichte erzählt er mit einem Lächeln. Es sei ja warm gewesen in diesem Sommer, man brauchte keine Decke oder so. Aber er fand immer einen Freund oder Wegbegleiter, immer jemanden, der ihm einen Tipp gab oder Hilfe anbot.

Im Juni 2016 schließt er seinen Integrations- und Deutschkurs erfolgreich ab und will sofort mit dem weiterführenden Kurs weiter machen. Aber niemand fühlt sich zuständig. Er weiß nicht, wie es weiter gehen soll. Wieder hilft ihm ein Tipp. Er geht zur Agentur für Arbeit und wird gut beraten, kann seinen B2-Kurs machen und wird auf ein Berliner Flüchtlingsprojekt hingewiesen. Das Projekt ARRIVO BERLIN Gesundheit. In diesem Projekt findet Kibrom die Unterstützung, die er braucht, um seine Pläne zu verwirklichen.

Seine Uni-Abschlusszeugnisse befinden sich leider immer noch an der Universität in Eritrea. Der Versuch, sie dort abzuholen, würde sofort dazu führen, dass die Behörden und das Militär auf ihn und seine Familie aufmerksam würden. Über die Konsequenzen will und kann er nicht nachdenken.
Kibrom, der in seiner Heimat eigentlich Humanmedizin studieren wollte und keinen Studienplatz bekam, hat nun die Chance, seinem Berufswunsch hier in Berlin näher zu kommen.

Er bekommt mit Hilfe des ARRIVO-Teams einen Praktikumsplatz in der Evangelischen Elisabeth Klinik der Paul Gerhardt Diakonie, um sich auf die Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpfleger vorzubereiten, seine Deutschkenntnisse weiter zu verbessern und in der Praxis zu erproben. Er nutzt seine Chance und macht so einen guten Eindruck, dass die Klinik ihn bis zu seinem Ausbildungsbeginn als Pflegehelfer in Teilzeit einstellt. Ab dem 01.04.2018 bekommt er einen Platz für die 3-jährige Ausbildung an der Wannsee Schule.

Über das Projekt „Ausbildungsbrücke“ der Diakonie (DWBO), konnte ihm außerdem eine Mentorin vermittelt werden, die ihn besonders in der Anfangsphase des schulischen Teils beim Erlernen des Fachvokabulars unterstützt. Am Ende seiner Geschichte lächelt er wieder und sagt, dass er sich jetzt sicher fühle in Deutschland und wohl und irgendwie aufgehoben. Er weiß, an wen er sich mit seinen Fragen und Sorgen wenden kann. In Berlin hat er sogar Freunde aus Eritrea wiedergefunden, kann sich ein soziales Netz aufbauen ohne eine Verbindung in die Heimat ganz zu verlieren.